Freitag, 19. September 2008

Mein Mantra

Es ist mein Mantra.

Ich wiederhole es, jede Sekunde, jede Minute. Ich denke es still in meinem Kopf; es rotiert in einer Endlosschleife, ich kann spüren wie es in meinem Kopf summt und nicht aufhört. Es springt von einem Gedanken zum Anderen; es dominiert sie, klammert sich an alle meine Taten und Worten. Es zeichnet sich selbst an die Lider meiner Augen wenn ich sie schließe; und wenn ich schlafe sucht es mich in allen Gestalten und Formen heim.

Nur manchmal kann ich es aus meinem Kopf verbannen; dann muss ich es kurz aussprechen. So kann ich es hinauswerfen; doch nur kurz. Es kommt gleich wieder zurück, halt als Schall von den mich gefangen haltenden Wänden ab. Es schlüpft durch meine Ohren, kriecht durch die Windungen meines Gehirns. Dann ist es wieder da, als wäre es nie weg gewesen.

Doch ist es mein Motor durch diese Zeit, es treibt mich an und beschützt mich. Während es mich doch wieder in den Wahnsinn treibt und kaputt macht, mich verdrängen lässt was nur unter der Oberfläche darauf wartet, empor zu brechen.

Es ist immer da, mein Mantra.

Stark sein. Durchhalten. Stark sein. Durchhalten…

Irgendwann

Es heißt, Irgendwann kommt die Zeit, in der ich auf diese Zeit zurückblicken kann. Zu der ich stark bin, darüber Lachen kann. Keine Tränen mehr im Auge haben werde.
Irgendwann sagen sie, kannst du nur noch an die schönen Zeiten denken, Fotos anschauen ohne dabei nach Atem zu ringen.
Sie sagen es, und ihren Augen sehe ich, dass sie wirklich hoffen, dieses Irgendwann bald zu finden.
Wann ist Irgendwann? Ist es heute, morgen, in 10 Jahren? Kann es denn schon im nächsten Augenblick sein? Kann es überhaupt so bald sein, ohne dass ich mich schuldig fühlen werde?
Ich schließe die Augen, stelle mir vor, Irgendwann genau in diesem Augenblick zu erleben. Doch mit entkommen Tränen, die ich nicht stoppen kann. Ich kann nicht lachen oder auch nur atmen. Nur zurückdenken kann ich- und ich weiß, ich vermisse dich.
Heute, morgen, Irgendwann.

Verweht

Die Zeit verfließt. Im einem Moment bist du da; gestern. Im nächsten, morgen, bist du es nicht mehr. Dazwischen sind Stunden vergangen; für die einen ein Augenblick, für die anderen eine Ewigkeit. Sekunden, die sich in Stunden verwandeln, Tage die in Herzschlägen vergehen.
Ein Leben, das so lang vergangen ist, und doch nicht mitgelebt wurde. In dem ich nur das Kurze, den Augenblick wahrnahm; dich in einem Augenblick dachte zu kennen, und im nächsten verloren habe. Wo ich dich an einem Tag lachend, am Anderen im Sarg sah. Wo Tod und Leben so nah aneinander liegen, untrennbar sind, verschmelzen. Wo du in meinen Gedanken noch lebst, aber woanders, weit weg, schon lange nicht mehr bist. Wo Realität die Sache ist, die man nicht wahr haben kann.

Fragen?

Wer war das, die Person die ich sah? Eine Großmutter, Mutter, Tante, Cousine, Großcousine, Schwester, Ehefrau? Eine Magd, Krankenschwesternschülerin, Hilfsarbeiterin, Rentnerin? Wer von diesen Menschen warst du für mich; wer warst du für die Anderen? Wenn ich sie suche, die Blickwinkel, aus denen du betrachtest wurdest: wie viele werde ich finden? Wie viele Paar Augen haben dich gesehen, wie viele Ohren deinen Worten gelauscht? Was hast du gesprochen, als ich noch nicht geboren war?
Werde ich wissentlich deine Spuren finden, wie kann ich deinen Fährten folgen? Welchen Eindruck hast du auf der Welt hinterlassen- oder hast du sie nur so flüchtig gestreift, dass sie dich schon bald wieder vergessen hat?
Wer wird lächeln, wenn er an dich denkt? Familie? Freunde? Bekannte?
Wann wird der letzte Mensch auf Erden leben, der dich noch kannte? Wann werde ich dir Folgen?
Werde ich dich jemals wieder sehen?

… und die Welt dreht sich.

Wir tanzen unser Leben. Jeder Tag hat eine andere, doch sich immer gleichende, Choreografie; und wir tanzen sie. Bei Geburt wird sie uns in die Wiege gelegt, wir saugen sie beim ersten Atemzug in unsere noch unschuldigen Lungen und vergessen sie erst, wenn sie sich nicht mehr füllen. Dazwischen liegt er, der Tanz des Lebens, ein Kreis von endlosen Wiederholungen. Wir können nicht ausbrechen, tanzen immer dieselbe Schrittfolge ohne es zu realisieren. Unsere Füße bewegen sich, ohne dass wir darauf Einfluss haben; wir können nicht stoppen, wenn sie schmerzen, wir können uns nicht in Bewegung setzen wenn wir wieder zu Kräften gekommen sind. Der Tag kennt kein Erbarmen; denn die Welt, auf der wir Tanzen gibt den Takt vor; sie dreht sich, schneller als wir es je könnten. Sie dreht, und dreht, und dreht sich…
Und dann.
Dann hörst du dich auf zu drehen; deine Lungen verblasen das Leben, das in ihnen gewohnt hat. Du tanzt nicht mehr, du liegst still auf der Welt- die sich noch dreht. Und auch ich drehe mich, endlos im Kreis um dich herum, wo deine Schritte sein sollte. Ich tanze ein einsames Duett; ich kann die Choreografie nicht beenden, nach dem mein Partner nicht mehr da ist. Ich kann nicht stoppen, um eine Pause einzulegen, um dir zu gedenken; denn die Welt dreht sich, hört nicht auf, reißt mich mit.