Dienstag, 21. Oktober 2008

Ein Foto

Ich möchte eine DVD brennen; doch habe ich sie nicht einmal fertig zusammengestellt. Ich wollte die Fotos unserer „Katzenfamilie“ sichern, um sie nicht im Falle eines PC-Crashs zu verlieren. Dabei habe wollte ich mich aufheitern, in dem ich mich an den Fotos unserer jungen Kätzchen ergötze- im Mai, im Juni, als sie noch in eine Handfläche gepasst haben, kaum die Augen aufmachen konnten und schon schnurrten. Wie viel Zeit seit damals vergangen ist… in mehrfacher Hinsicht. Ich klicke mich langsam durch die ersten Lebensmonate der kleinen Wesen –auf ihre für immer eingefangene Jugend- bis ich auf ein Bild stoße, mich eigentlich beinah daran erstoße. Es stößt sich durch mich, durch die Augen in meine Seele, die in glücklichen Erinnerungen badend nicht damit gerechnet hat, auf ein Bild meiner Großmutter zu treffen. Bis gerade eben hatte ich sogar vergessen, DASS ich dieses Foto überhaupt gemacht habe- aber jetzt fällt mir die Situation ein, wie wir meiner Großmutter eins der Kätzchen zum Streicheln gegeben haben, wie viel Freude sie hatte und wie sie es meinem kleinem Bruder nicht geben wollte… Ich kann nicht auf den Zeitstempel schauen, habe Tränen in den Augenwinkeln, bleibe aber von weiterem Weinen verschont.
Das Bild strahlt etwas Sonderbares aus. Das Lächeln meiner Großmutter- habe ich es schon mal beschrieben? Wie kindlich es manchmal war, frei von Sorgen? Weil sie manchmal Glück hatte, sie einfach nicht mehr wusste was ihr das Leben bis jetzt angetan hatte? Und dann der Kontrast auf dem Foto. Eine Frau, nicht wissend das sie kurz vorm Ende ihres Lebens steht. Und das junge Kätzchen, das sein Leben sowieso nie so wahr haben wird wie ein Mensch und dennoch am Anfang steht.
Es ist wahrscheinlich eins der letzten Fotos das ich von ihr gemacht habe. Eigentlich habe ich es auch nicht nur wegen ihr gemacht- ich wollte den Moment einfangen; habe mir nicht sie selbst zum Ziel der Aufnahme gesetzt. Und doch dominierst sie das Bild jetzt, wird es ewig beherrschen und darauf thronen, weil ich es jetzt weiß.
Hätte sie es gewusst- hätte sie auch nicht zufriedener dreinschauen können, als in dem Augenblick. Und vielleicht birgt die Intention –dass dieses Foto eben NICHT als Andenken aufgenommen wurde- auch etwas schönes, befreiendes in sich.
Ich sichere meine Fotos trotzdem nicht weiter. Ich wische meine Augenwinkel trocken und werde ein andermal darauf zurückkommen- hoffentlich besser vorbereitet.