Ich möchte eine DVD brennen; doch habe ich sie nicht einmal fertig zusammengestellt. Ich wollte die Fotos unserer „Katzenfamilie“ sichern, um sie nicht im Falle eines PC-Crashs zu verlieren. Dabei habe wollte ich mich aufheitern, in dem ich mich an den Fotos unserer jungen Kätzchen ergötze- im Mai, im Juni, als sie noch in eine Handfläche gepasst haben, kaum die Augen aufmachen konnten und schon schnurrten. Wie viel Zeit seit damals vergangen ist… in mehrfacher Hinsicht. Ich klicke mich langsam durch die ersten Lebensmonate der kleinen Wesen –auf ihre für immer eingefangene Jugend- bis ich auf ein Bild stoße, mich eigentlich beinah daran erstoße. Es stößt sich durch mich, durch die Augen in meine Seele, die in glücklichen Erinnerungen badend nicht damit gerechnet hat, auf ein Bild meiner Großmutter zu treffen. Bis gerade eben hatte ich sogar vergessen, DASS ich dieses Foto überhaupt gemacht habe- aber jetzt fällt mir die Situation ein, wie wir meiner Großmutter eins der Kätzchen zum Streicheln gegeben haben, wie viel Freude sie hatte und wie sie es meinem kleinem Bruder nicht geben wollte… Ich kann nicht auf den Zeitstempel schauen, habe Tränen in den Augenwinkeln, bleibe aber von weiterem Weinen verschont.
Das Bild strahlt etwas Sonderbares aus. Das Lächeln meiner Großmutter- habe ich es schon mal beschrieben? Wie kindlich es manchmal war, frei von Sorgen? Weil sie manchmal Glück hatte, sie einfach nicht mehr wusste was ihr das Leben bis jetzt angetan hatte? Und dann der Kontrast auf dem Foto. Eine Frau, nicht wissend das sie kurz vorm Ende ihres Lebens steht. Und das junge Kätzchen, das sein Leben sowieso nie so wahr haben wird wie ein Mensch und dennoch am Anfang steht.
Es ist wahrscheinlich eins der letzten Fotos das ich von ihr gemacht habe. Eigentlich habe ich es auch nicht nur wegen ihr gemacht- ich wollte den Moment einfangen; habe mir nicht sie selbst zum Ziel der Aufnahme gesetzt. Und doch dominierst sie das Bild jetzt, wird es ewig beherrschen und darauf thronen, weil ich es jetzt weiß.
Hätte sie es gewusst- hätte sie auch nicht zufriedener dreinschauen können, als in dem Augenblick. Und vielleicht birgt die Intention –dass dieses Foto eben NICHT als Andenken aufgenommen wurde- auch etwas schönes, befreiendes in sich.
Ich sichere meine Fotos trotzdem nicht weiter. Ich wische meine Augenwinkel trocken und werde ein andermal darauf zurückkommen- hoffentlich besser vorbereitet.
Dienstag, 21. Oktober 2008
Mittwoch, 15. Oktober 2008
Rational?
Manchmal frage ich mich, ob sie uns absichtlich zu selben Zeit verlassen haben. Ein mehr oder weniger rationales Gefühl in mir pocht auf dieser Idee, angespornt durch ein paar unsichere Fakten. Zum einen hat die Großmutter, die länger lebte, vom Ableben der anderen gewusst. Ich kann nicht sagen, was in ihrem Kopf vorging, als sie es erfahren hat. Wahrscheinlich hat sie für die Verstorbene gebetet, aber genauer betrachtet sagt das nicht viel aus. Erschwert wird alles durch die zunehmende Verkalkung meiner Großmutter zu diesem Zeitpunkt- ich konnte eigentlich schon seit Jahren nicht mehr sagen, was in ihr vorgeht oder in welchem Jahr sie gerade gelebt hat.
Dann gab es da noch eine andere Tatsache, eine so außergewöhnliche Unwahrscheinlichkeit, dass sie mein Gehirn wahrscheinlich kaum verarbeiten kann- der Umstand, das zwischen dem „Verschwinden“ der Beiden so wenig Zeit vergangen ist. Ein kindlicher Wunsch hat mich bis zum letzten Moment nicht verstehen lassen, das meine zweite Großmutter wirklich sterben könnte- es erschien mir einfach unmöglich!
Vielleicht ist es derselbe Trieb, der mich damals versuchte mich zu schützen, der mir heute einredet, in diesem Verlust einen Sinn sehen zu können.
Vielleicht will ich mir auf diese Weise auch nur primitiven Trost einreden, weil die Welt, in der sie starben nicht so grausam sein kann.
Am Wahrscheinlichsten ist die einfach Annahme, dass ich noch immer nicht ganz verarbeitet habe, was vor 3 Wochen seinen Anfang genommen hat. Oder aber es ist doch der Sechste Sinn, der –laut diverser Verwandter- in meiner Familie existieren soll. Und die beiden wurden vor etwas erlöst, das jetzt auf uns Verbliebene erst zukommt.
Dann gab es da noch eine andere Tatsache, eine so außergewöhnliche Unwahrscheinlichkeit, dass sie mein Gehirn wahrscheinlich kaum verarbeiten kann- der Umstand, das zwischen dem „Verschwinden“ der Beiden so wenig Zeit vergangen ist. Ein kindlicher Wunsch hat mich bis zum letzten Moment nicht verstehen lassen, das meine zweite Großmutter wirklich sterben könnte- es erschien mir einfach unmöglich!
Vielleicht ist es derselbe Trieb, der mich damals versuchte mich zu schützen, der mir heute einredet, in diesem Verlust einen Sinn sehen zu können.
Vielleicht will ich mir auf diese Weise auch nur primitiven Trost einreden, weil die Welt, in der sie starben nicht so grausam sein kann.
Am Wahrscheinlichsten ist die einfach Annahme, dass ich noch immer nicht ganz verarbeitet habe, was vor 3 Wochen seinen Anfang genommen hat. Oder aber es ist doch der Sechste Sinn, der –laut diverser Verwandter- in meiner Familie existieren soll. Und die beiden wurden vor etwas erlöst, das jetzt auf uns Verbliebene erst zukommt.
4 Wochen
Ein Monat . 4 Wochen. 28 Tage, 672 Stunden, noch mehr Minuten, Sekunde, Herzschläge. Manche haben sich dahingestreckt wie Tage, manchmal sind Tage vergangen als wären sie nu ein Traum. Ein Albtraum, der alle Ängste ausgegraben hat die ich als Kind schon hatte. Ich fühle mich, als würde ich durch einen Wald gehen, bei hellem Sonnenschein. Das Licht dringt zwar bis zum Waldboden; aber die Bäume werfen umso größere Schatten desto heller das Licht wird. Und in diesen Schatten versteckt sich so vieles, dass ich nicht kommen sehen kann. Ich gehe von Baum zu Baum, taste mich langsam vor- und immer wieder werde ich von Erinnerungen angesprungen, die nur auf mich gelauert haben um mich zu attackieren. Manchmal sind es gute Erinnerungen, an schöne Zeiten- aber überwiegend sind es Dinge, die ich am liebsten in der Dunkelheit des Waldes gelassen hätte, ohne jemals einen zweiten Blick darauf zu werfen. Aber ohne zu wissen, was auf mich zukommt- wie soll ich entscheiden, ob ich etwas entgegentreten will oder nicht?
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