Samstag, 20. September 2008

Seifenblase

Plopp

Sie platzt

Die Blase

in der du

gelebt

hast




Dein

Ganzes Leben

Lang




Dachtest du

Sie leben für

Immer und

Ewig?

Hättest

Es wissen

müssen



Hast

Es

Verdrängt




Jetzt

-------Ist sie

geplatzt



Deine

Welt




Plopp.

Pietät

Hallo, du kleines Wort. Hast du dich schon einmal gefragt, was du einem Menschen bedeuten kannst? Wie schwer du auf und lastest, wie schwierig es ist, dir gerecht zu werden?
Du kannst nichts für die Dinge, die du vertrittst. Die Regeln, denen man gerecht werden „muss.“ Aber du bist da, als Galionsfigur von Traditionen, Benimmregeln, vielleicht sogar Gesetzen- du darfst nicht, es ist dir verboten. Doch was ist einem Menschen denn dann noch erlaubt?
Das ist sie, die Pietät. Man kann sich wehren; aber dann durchbohren einen Blicke, man spürt im Nacken die Blicke derer, die einen verurteilen. Dann muss man wieder dagegen ankämpfen, und man weiß nie, gegen was man besser gewappnet sein kann.
Und dann natürlich noch der innere Kampf. Muss ich mich schlecht fühlen weil ich lache, Witze mache? Weil ich versuche, an Dinge zu denken, die andere vergessen? Manchmal nur Worte finden, die nicht passen?
Ach Pietät, du kannst mich mal. Kreuzweise.

Ich will doch nur ein bisschen Musik...

Man denkt gerade nicht daran, und dann holen einen die Schatten der letzten Tage ein.
Automatisch schalte ich mein Notebook an; dann klicke ich auch noch wie im Traum auf die das Symbol mit den kleinen blauen Viertelnoten. Und dann bin ich ratlos. Soviele Gigabyte an Musik; aber welche passt? Welche kann man hören, welche fügt sich in die Stimmung ein ohne sie zu verschlimmern?
Es ist schwierig. Man weiß, dass die Lieder die man jetzt hört, auf ewig im Gedächtnis bleiben werden. Mit etwas Pech kann man sie nie wieder hören, ohne an die Zeit zurückzudenken; auch wenn das Lied noch so schön ist, manche kann ich heute nicht mehr hören, da soviel negativer Ballast an ihnen hängt.
Und dann wird es schwieriger, wenn man auf die Texte der Lieder achtet. Manche sind zwar schön; aber man kommt mit dem Text nicht zurecht, weil er nicht ganz zur eigenen Situation passt. Und dann findet man 1, 2 Lieder- und hört sie in einer Endlosschleife, weil man so froh ist sie gefunden zu haben.

Ein „kurzes“ Leben

Am Notebook. Jede Taste zu finden ist schwer; die Mutter die neben einem sitzt, weiß es kaum besser.
Es gilt einen Menschen zu beschreiben, sie in wenigen Worten zusammenzufassen. Was hat sie im Leben erreicht? Was lässt man weg, was schreibt man hinein? Welche Namen sollten genannt werden, welche besser nicht?
Und dann die Uneinigkeiten: wie formuliert man einen Satz, der sich eigentlich über Jahre hinwegstreckt. Wann schreibt man hinein, wenn Geschwister gestorben sind; Menschen, die man nur flüchtig von schwarz weiß Fotos kennt. Wie ordnet man sie in ein Leben ein, von dem man selbst nur so wenig mitbekommen hat? Wo ordnet man sich selbst ein, die Geschwister? Aus welcher Sicht beschreibt man Ereignisse, die nicht mehr ins Heute passen? Zeiten, über die man am liebsten Schweigen würde? Wie will man sie aufschreiben; ist es eine Lüge, sie wegzulassen?
Und dann ist man fertig. Man sitzt vor dem, was man geschrieben hat, und man fragt sich, warum ein so langes Leben auf eine A4 Seite passen kann.

Wut

Emotionen sind Nachbarn. Sie leben alle in einer Wohnung, Tür an Tür, besuchen sich gegenseitig und helfen auch schon einmal aus, wenn ein anderes Gefühl nicht da ist. So kommt es zu Überschneidungen, zum Kompensieren, zum Verdrängen; dazu, das man im einen Moment so tief in Trauer versinkt, dass man kein Land mehr sieht und im nächsten vor Lachen nicht mehr Atmen kann.
Oder man glaubt, das Herz ist einem so schwer vor Trübsinn, das es nicht mehr schlagen kann. Und dann meint man, es springt einem aus dem Brustkorb weil man so zornig ist. Dabei sind es doch nur Kleinigkeiten, die einen zum fast zum Durchdrehen bringen: eine Frau, die sich an der Kassa vordrängelt. Ein Auto, das zu nahm am eigenen parkt. Ein Vater, der sich nur von der fernsten Vergangenheit redet und darüber hinaus die Gegenwart vergisst. Eine Tante, die nicht einmal anrufen kann. Schluckauf am Grab, wenn man eigentlich nur schweigen will.
Dann liegen alle Gefühle so nah beieinander, dass man nicht mehr weiß ob man vor Wut schreien will- oder vor Trauer weinen.

Als würde sie schlafen.

Ihre Augen sind geschlossen, ohne Kraft aber auch ohne Druck. Die Lider ruhen friedlich über der Rundung, werfen ein paar Falten. Die ziehen sich übers Gesicht- Zeichen des Alters, Zeichen der Reife.
Die Haare liegen wirr um den Kopf herum. Nicht mehr alle braun, noch nicht alle weiß. Den Backen fehlt die Röte, sie wirkt etwas blass. Die Hände sind kalt, sogar kälter als die Meinen.
Fast könnte man sich so einreden, dass sie nur schlafen könnte. Mein Auge sieht es im ersten Moment nicht- es blendet aus. Unterbewusst keimt der Gedanke, der sich dann doch langsam ins Bewusstsein drängt- ihre Brust. Sie hebt sich nicht. Sie senkt sich nicht. Sie liegt flach, der ganze Körper, keine Muskel regt sich.
So ungewohnt. So irreal.
Und trotzdem will man es nicht wahr haben. Sie schläft nur. Ganz, ganz tief…

II

"Sei ned traurig"

Ja. Nur... Wie?

Und. Warum?

I

vom recht

zu weinen

ohne scham

ohne angst.

um das herz zu öffnen

trauer hinaus

und

freude hinein

zu lassen.