Emotionen sind Nachbarn. Sie leben alle in einer Wohnung, Tür an Tür, besuchen sich gegenseitig und helfen auch schon einmal aus, wenn ein anderes Gefühl nicht da ist. So kommt es zu Überschneidungen, zum Kompensieren, zum Verdrängen; dazu, das man im einen Moment so tief in Trauer versinkt, dass man kein Land mehr sieht und im nächsten vor Lachen nicht mehr Atmen kann.
Oder man glaubt, das Herz ist einem so schwer vor Trübsinn, das es nicht mehr schlagen kann. Und dann meint man, es springt einem aus dem Brustkorb weil man so zornig ist. Dabei sind es doch nur Kleinigkeiten, die einen zum fast zum Durchdrehen bringen: eine Frau, die sich an der Kassa vordrängelt. Ein Auto, das zu nahm am eigenen parkt. Ein Vater, der sich nur von der fernsten Vergangenheit redet und darüber hinaus die Gegenwart vergisst. Eine Tante, die nicht einmal anrufen kann. Schluckauf am Grab, wenn man eigentlich nur schweigen will.
Dann liegen alle Gefühle so nah beieinander, dass man nicht mehr weiß ob man vor Wut schreien will- oder vor Trauer weinen.
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