Mittwoch, 15. Oktober 2008

Rational?

Manchmal frage ich mich, ob sie uns absichtlich zu selben Zeit verlassen haben. Ein mehr oder weniger rationales Gefühl in mir pocht auf dieser Idee, angespornt durch ein paar unsichere Fakten. Zum einen hat die Großmutter, die länger lebte, vom Ableben der anderen gewusst. Ich kann nicht sagen, was in ihrem Kopf vorging, als sie es erfahren hat. Wahrscheinlich hat sie für die Verstorbene gebetet, aber genauer betrachtet sagt das nicht viel aus. Erschwert wird alles durch die zunehmende Verkalkung meiner Großmutter zu diesem Zeitpunkt- ich konnte eigentlich schon seit Jahren nicht mehr sagen, was in ihr vorgeht oder in welchem Jahr sie gerade gelebt hat.
Dann gab es da noch eine andere Tatsache, eine so außergewöhnliche Unwahrscheinlichkeit, dass sie mein Gehirn wahrscheinlich kaum verarbeiten kann- der Umstand, das zwischen dem „Verschwinden“ der Beiden so wenig Zeit vergangen ist. Ein kindlicher Wunsch hat mich bis zum letzten Moment nicht verstehen lassen, das meine zweite Großmutter wirklich sterben könnte- es erschien mir einfach unmöglich!
Vielleicht ist es derselbe Trieb, der mich damals versuchte mich zu schützen, der mir heute einredet, in diesem Verlust einen Sinn sehen zu können.
Vielleicht will ich mir auf diese Weise auch nur primitiven Trost einreden, weil die Welt, in der sie starben nicht so grausam sein kann.
Am Wahrscheinlichsten ist die einfach Annahme, dass ich noch immer nicht ganz verarbeitet habe, was vor 3 Wochen seinen Anfang genommen hat. Oder aber es ist doch der Sechste Sinn, der –laut diverser Verwandter- in meiner Familie existieren soll. Und die beiden wurden vor etwas erlöst, das jetzt auf uns Verbliebene erst zukommt.

4 Wochen

Ein Monat . 4 Wochen. 28 Tage, 672 Stunden, noch mehr Minuten, Sekunde, Herzschläge. Manche haben sich dahingestreckt wie Tage, manchmal sind Tage vergangen als wären sie nu ein Traum. Ein Albtraum, der alle Ängste ausgegraben hat die ich als Kind schon hatte. Ich fühle mich, als würde ich durch einen Wald gehen, bei hellem Sonnenschein. Das Licht dringt zwar bis zum Waldboden; aber die Bäume werfen umso größere Schatten desto heller das Licht wird. Und in diesen Schatten versteckt sich so vieles, dass ich nicht kommen sehen kann. Ich gehe von Baum zu Baum, taste mich langsam vor- und immer wieder werde ich von Erinnerungen angesprungen, die nur auf mich gelauert haben um mich zu attackieren. Manchmal sind es gute Erinnerungen, an schöne Zeiten- aber überwiegend sind es Dinge, die ich am liebsten in der Dunkelheit des Waldes gelassen hätte, ohne jemals einen zweiten Blick darauf zu werfen. Aber ohne zu wissen, was auf mich zukommt- wie soll ich entscheiden, ob ich etwas entgegentreten will oder nicht?