Sonntag, 21. September 2008

Katalogtrauer

Eine Hilfe in der Trauer für die einen; eine Kränkung für die anderen.

Man kann auswählen, muss sich entscheiden, eine Bestellung abgeben- wie in einem Versandhauskatalog. Den Sarg, die Parten.

Der Text wird in ein Formular eingetragen: manche Textzeilen ausgestrichen, manche ergänzt, in manche Felder eingesetzt. Es scheint wie ein Lückentext, aus Volksschulzeiten.

Für den –auch nur aus dem Katalog stammenden- Trauerspruch wird sogar nur ein Code, der mit Zahlen angegeben ist, dazugekritzelt.

Das Partebild gibt es in etwa zehn verschiedenen Variationen- viele mit Kreuzen, manche Bilder. Eines, dass eine Allee zeigt ist besonders beliebt- später sehen wir es im Supermarkt hängen, zwei von drei Angehörigen haben sich dafür entschieden. Die Beispiele im Katalog sind genauso echt wie die im Geschäft; Menschen, die gelebt haben und hier gestorben sind. Manche kannte meine Mutter noch.

Danach müssen wir noch ein Bild für die kleine Parte auswählen, die es –fast nur- im ländlichen Bereich gibt. Ein kleines Deckblatt, entweder füllend oder mit einem Spruch. Variationen gibt es nicht, die Druckerei ist unflexibel. Entweder das eine, oder das andere. Auf eigene Wünsche kann keine Rücksicht genommen werden.

Und so schwindet am Ende die Individualität eines Menschen; jedes Bild, jeder Spruch ist davor schon einmal verwendet worden.

Doch jede neue Suche, jeder Drang sich selbst einzubringen scheitert. Wir sind wie gelähmt; wir ringen nach Worten und Formulieren- und finden einfach keine. Am Ende bleibt der Text, der nicht auszudrücken vermag was wie fühlen- und der trotzdem gedruckt wird.

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